5. April 2026

Die Botschaft der Auferstehung

Zu Ostern feiern wir die Auferstehung des Gekreuzigten. Das Verständnis für diese zentrale christliche Botschaft schwindet in unserer Gesellschaft, bleibt aber die Grundlage unserer Hoffnung.

Als ob der nach wie vor entsetzliche Krieg in der Ukraine, die schrecklichen Geschehnisse in Gaza, die wirren Aktionen eines amerikanischen Präsidenten und viele andere Krisenphänomene unserer Zeit nicht schon genug Ängste und Sorgen ausgelöst hätten. Mit dem Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat sich die Spirale der Gewalt weiter und weiter gedreht. Die permanente Konfrontation mit diesen Geschehnissen über die verschiedenen Medienkanäle erzeugt ein Gefühl des Ausgeliefertseins, ein Gefühl der Ohnmacht. Wir sind verunsichert und fühlen uns wie gelähmt.
In verstörender Gleichzeitigkeit feiern wir in diesen Tagen das Osterfest. Für viele Zeitgenossen unserer säkular gewordenen Welt ein willkommenes Fest im Frühling, ohne religiösen Hintergrund, mit einer Reihe von arbeitsfreien Tagen, verbunden mit Reisen und Feiern im Kreis der Familie. Das hat auch alles seine Berechtigung. Als Christen ist uns aber von Ostern her ein anderer Blick geschenkt. Konfrontiert mit dem Mysterium iniquitatis, wie Paulus im Thessalonicherbrief dieses Geheimnis des Bösen genannt hat, konfrontiert mit den Wirrnissen und Leiden der unschuldigen Opfer, feiern Christen zu Ostern die leibliche Auferstehung des Herren. Eigentlich ein unerhörter Vorgang, der alle unsere Selbstverständlichkeiten und Gewissheiten durchbricht. Selbst die Jünger Jesu waren verwirrt und voller Zweifel.
Die Botschaft von der Auferstehung lässt ein besonderes Licht auch auf die Geschehnisse unserer Welt fallen. In diesem Licht wird uns zugesagt, dass es Hoffnung auch in einer Welt gibt, die durch Tod und vielfältiges Leiden gekennzeichnet ist. Es ist die Hoffnung, dass durch Gott die ungerecht Leidenden, die vergessenen Opfer und die Toten gerechtfertigt und zu neuem Leben erweckt werden. Die Täter triumphieren nicht auf immer über ihre Opfer. Der Glaube an die Auferstehung hat also durchaus auch eine politische Dimension. Ein in unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft schwindendes Verständnis von Auferstehung hat deshalb auch Folgen. Der kürzlich verstorbene Philosoph Jürgen Habermas, der sich selbst als religiös unmusikalisch bezeichnet hat, meinte, dass die verlorene Hoffnung auf Auferstehung eine spürbare Leere in der Gesellschaft hinterlasse.

Der Dichter und evangelische Pfarrer Kurt Marti hat diese Dimension in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht. „Anderes Osterlied“ ist es überschrieben. Ein Auszug daraus:

“Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe, wenn hier die Herrschaft der Herren, wenn hier die Knechtschaft der Knechte so weiterginge wie immer.
Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren.”

Lukas berichtet im Evangeliumsabschnitt, der am Ostermontag gelesen wird, von den beiden Jüngern und deren Begegnung mit dem Auferstandenen. Sie sind von den Geschehnissen noch wie gelähmt und erkennen den „Fremden“ zunächst nicht. Erst als er das Brot mit ihnen brach, erkannten sie ihn. „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk. 24,32). Brennt auch unser Herz und das Herz der Kirche noch genügend für die Botschaft der Auferstehung, um diese unserer Welt weiterhin vermitteln zu können?

28. Februar 2026

Nein ohne Wenn und Aber

Pressemitteilung

Seit Tagen, ja seit Wochen wird – provoziert durch den vorliegenden Gesetzentwurf zur Remigration und den von rechtsextremen Gruppierungen in Bozen geplanten Aufmarsch dazu – in Politik und Medien über Remigration gesprochen, diskutiert und „Für-und-Wider“ abgewogen. Damit haben die Promotoren einer solch unsäglichen Maßnahme schon erreicht, dass wir uns auf ein Gespräch darüber einlassen, dass die Vorstellung von eigentlich Unvorstellbarem in unser Denken und unser Herz einsickert, dass das Wort sich in unseren Wortschatz einnistet und sagbar wird. Wir tun gut daran, uns einem solchen Gespräch zu verweigern. Zu verbrecherischen Maßnahmen braucht es kein Gespräch über mögliche Bedingungen, über ein „Wenn und Aber“ oder ein „Vielleicht doch“, sondern nur ein entschiedenes Nein!

Als Christen sind wir uns bewusst, dass mit der Menschwerdung Gottes die Möglichkeit in die Welt gekommen ist, in jedem Menschen, unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit oder anderen Kategorisierungen, das „Antlitz Christi“ zu sehen. Eine Botschaft, die vielleicht auch überfordert, die aber immun macht gegenüber blinden Sündenbockmechanismen. Eine Botschaft, die frei macht zu einem bewussten „Nein“ gegenüber menschenverachtender Politik.

Der Vorstand des Katholischen Forums / Sonja Reinstadler, Roland Feichter, Christian Wenter, Angelika Mitterrutzner, Irene Vieider, Franz Tutzer.

17. Februar 2026

„Kehrt um…“ Ein Aufruf des Katholischen Forums zur Fastenzeit.

Pressemitteilung vom 17.Februar 2026

Mit dem Beginn der Fastenzeit laden uns kirchliche und nicht-kirchliche Organisationen direkt und über Medien ein, unseren individuellen Konsum zu reduzieren, Alkohol und Kalorien einzuschränken oder auf die übermäßige Nutzung digitaler Medien zu verzichten. Da ist nichts Falsches dran.
Ein nüchterner Blick auf unsere Zeit und ihre Gefährdungen mutet uns allerdings mit dem aus dem Markusevangelium überlieferten „Keht um“ sehr viel mehr zu und fordert uns auf, unser Verständnis des Fastens auch politisch zu verstehen. In diesem Sinn bedeutet Fasten, eine Haltung einzuüben, die unmissverständlich „nein“ sagt

  • zu allen Versuchen, das soziale Miteinander durch gezieltes Schüren von Vorurteilen, von Hass und Misstrauen gegenüber Fremden, sozial Schwachen und anderen Randgruppen zu vergiften;
  • zu einer politisch und medial immer noch positiv vermittelten Haltung des „Immer mehr, immer schneller und immer besser“;
  • zu Maßlosigkeit im Umgang mit belebter und unbelebter Natur und Mitwelt;
  • zu einem blinden Machbarkeitswahn und einer kritiklosen Akzeptanz von Technologien, die den Menschen überwältigen und zu einem bloßen Anhängsel technischer Systeme degradieren;
  • zu einer schamlosen Vergötzung von Reichtum, Erfolg und Macht.

Ein solches Fasten zeigt sich auch in bewusst gelebten Formen des individuellen und gesellschaftlichen Maßhaltens und Verzichtens. Ein solches Fasten übt das soziale „Zuhören“ ein und befreit zur Gastfreundschaft gegenüber dem Fremden, den Armen und ganz allgemein gegenüber den „Anderen“. Dies bleibt die Grundlage einer lebensfreundlichen Gesellschaft.

In den Beginn der heurigen Fastenzeit leuchten zwei Persönlichkeiten aus unserer jüngeren lokalen Geschichte herein. Es sind dies der Selige Joseph Mayr Nusser, dessen Todestages wir am 24. Februar gedenken, und Alexander Langer, der am 22. Februar 80 Jahre alt geworden wäre. Joseph Mayr Nusser hat zu einem menschenverachtenden Regime ein klares Nein gesagt, Alexander Langer hat sein politisches Handeln dem Maßhalten, dem ökologischen Umdenken und einer Haltung des „Genug“ gewidmet. Sie können uns in der heurigen Fastenzeit Orientierung bieten.

Der Vorstand des Katholischen Forums / Sonja Reinstadler, Roland Feichter, Werner Atz, Angelika Mitterrutzner, Irene Vieider, Franz Tutzer.