22. Juni 2026

Tagung des Katholischen Forums: Die Zeichen der Zeit

Die Zeichen der Zeit

Tagung des Katholischen Forums in Zusammenarbeit mit der Cusanus-Akademie Brixen und dem Katholischen Sonntagsblatt

Samstag, 21.11.2026, von 9.00 – 14.00 Uhr

Unsere Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Tiefgreifende politische Umbrüche und geopolitische Verwerfungen, ökologische Krisen, unglaubliche und in ihren Folgen nicht absehbare technische Entwicklungen, unermesslicher Reichtum neben großem Elend, nicht endende Kriege und viele Millionen Menschen auf der Flucht. Unser Denken und unsere Gefühle kommen damit immer weniger zurecht. Verunsicherung macht sich breit. „Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?“ So die provozierende Frage Jesu im Lukasevangelium (LK 12,56). Die Zeichen der Zeit zu lesen und zu deuten, verstehen, in welcher Welt wir leben, ist auch heute unabdingbare Voraussetzung für die notwendige Umkehr.
Es war auch die deutliche Botschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die Kirche «zur Erfüllung ihres Auftrages allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu interpretieren» habe (Gaudium et spes, 4). Der kritische Blick auf die krisenhaften Phänomene muss aber von der Liebe zur Welt, Gottes geliebter Schöpfung durchdrungen sein. Was sind die besonderen „Zeichen der Zeit“, durch die sich Kirche heute herausfordern lassen muss? Auch auf die Gefahr hin, unbequem und auf den Spuren Jesu im Getriebe der Welt störend zu wirken. Oder, wie Christa Wolf einmal schrieb: “Freude aus Verunsicherung ziehn – Wer hat uns das denn beigebracht!”

Die Referenten:

Günther Pallaver, ist Politikwissenschaftler, Historiker, Journalist und emeritierter Universitätsprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck; Senior Researcher am Institut für Vergleichende Föderalismusforschung an der Eurac in Bozen. Ehrenpräsident von „politika“ (Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft).

Johanna Brunner, Studium der Sozialarbeit, Theologie und Philosophie in Benediktbeuern, Leiterin des Amtes für Ehe und Familie der Diözese Bozen Brixen, Leiterin der Stabstelle im Generalvikariat zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle.

Frauke Leonhäuser, seit September 2024 Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde in Bozen, vorher langjährige Erfahrung als Gemeindepfarrerin in zwei Gemeinden in Nord- bzw. Osthessen, als Leiterin der Telefonseelsorge und als Beauftragte für Spiritualität.

Die Anmeldung zur Tagung erfolgt über die Cusanus-Akademie: info@cusanus.bz.it,
Telefon +39 0472 83 22 04 oder über das Anmeldeformular auf der Internetseite www.cusanus.bz.it
Eine zeitgerechte Anmeldung ist aus organisatorischen Gründen sehr hilfreich. Danke.

5. Juni 2026

Pressemitteilung

MAGNIFICA HUMANITAS
ÜBER DIE BEWAHRUNG DES MENSCHEN IM ZEITALTER DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ

Endlich! Die am Pfingstmontag veröffentlichte erste Enzyklika von Papst Leo XIV. mit dem Titel Magnifica Humanitas wurde mit großem Interesse und breiter Zustimmung, weit über die kirchlichen Kreise hinaus, aufgenommen und kommentiert. Auch der Vorstand des Katholischen Forums ist nach einer ersten Lektüre erfreut über die klaren und prophetischen Aussagen von Papst Leo zur „Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“, so der Untertitel der Enzyklika.
Papst Leo versteht seine Enzyklika ganz in der langen Tradition der Katholischen Soziallehre, da es ihm darum geht, die große Herausforderung unserer Zeit – die mit unglaublicher Geschwindigkeit vorangetriebene Entwicklung von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Robotik – im Lichte des Evangeliums zu deuten und Kriterien für die Urteilsfindung zu finden und anzubieten. Ausdrücklich erkennt der Papst die Autonomie der weltlichen Angelegenheiten und der gesellschaftlichen Entscheidungen an. Aber er sieht es als Verpflichtung der Kirche an, sich mit der Botschaft des Evangeliums in die Diskurse der säkularen Welt der Ökonomie, der Technik und Politik einzubringen.
Die Ausführungen zum technokratischen Paradigma, die in der Spur von Papst Franziskus liegen, machen deutlich, wo die Gefährdungen eines alles durchdringenden und unbegrenzten technischen Fortschritts liegen. Vor allem der Blick auf die Künstliche Intelligenz macht deutlich, dass hier eine neue Dimension erreicht ist, die mit dem Begriff „Werkzeug“ kaum mehr zu fassen ist, da der Mensch zusehends ein integrierter Teil des umfassenden technischen Systems wird. Mit der Gegenüberstellung dieser neuen und beängstigenden Realität mit dem bisherigen Verständnis der Würde des Menschen, die sich gerade auch in seiner Begrenztheit und der Anerkennung dieser Begrenztheit zeigt, macht Papst Leo deutlich, worum es eigentlich geht: es geht um den Menschen. Papst Leo führt die Kirche damit in die längst fällige Diskussion über das technogene System, das unsere Wirklichkeit wie nichts vorher prägt und unser Denken und unser Fühlen, unser Verständnis von uns selbst verändert.
Die Enzyklika gibt keine fertigen Antworten, Papst Leo beschränkt sich auch nicht auf eine pauschale Kritik der neuen technischen Systeme. Er stellt die wichtigen Fragen. In besonnener Weise wirbt er für Vorsicht im Umgang mit diesen Technologien, für Beschränkungen, Regulierungen, für Kontrolle der Macht. „Die KI entwaffnen“, schreibt Papst Leo, bedeutet, „diese Gleichsetzung von technischer Macht und dem Recht zu herrschen aufzubrechen“.
Die Enzyklika Magnifica Humanitas ist ein wichtiges Dokument zur richtigen Zeit. Wir laden alle, die an den großen Fragen unserer Zeit interessiert sind, nachdrücklich ein, sich damit auseinanderzusetzen.

Der Vorstand des Katholischen Forums / Roland Feichter, Angelika Mitterrutzner, Sonja Reinstadler, Franz Tutzer, Irene Vieider, Christian Wenter.

4. Juni 2026

Fronleichnamsfest

19. Mai 2026

Einladung zur Pfingstvigil

13. April 2026

Frieden vermitteln. Erfahrungen aus erster Hand

Vortragsveranstaltung mit Cesare Zucconi

Wie entsteht Frieden nach Jahren von Krieg und Gewalt? Darüber spricht Cesare Zucconi von der Gemeinschaft Sant’Egidio,die 1992 maßgeblich zum Friedensabkommen im Bürgerkrieg von Mosambik beigetragen hat.

Zucconi berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen in internationalen Friedensprozessen und gibt Einblick in die Arbeit einer zivilgesellschaftlichen Bewegung, die weltweit Brücken zwischen verfeindeten Parteien baut.
Ein Abend, der Mut macht und zeigt: Frieden beginnt oft im Kleinen.

Die katholische Laienbewegung Sant’Egidio wurde 1968 in Rom gegründet und verbindet Gebet mit sozialem Engagement. Sie ist heute in über 70 Ländern aktiv und unterstützt Arme, Obdachlose, Kinder in Slumgebieten, Menschen mit Behinderungen und Gefangene. Internationale Bekanntheit erlangte sie 1992 durch ihre erfolgreiche Vermittlung des Friedensabkommens im Bürgerkrieg von
Mosambik. Seither organisiert sie jährlich ein großes interreligiöses Friedensgebet.

Der Vortrag findet am 22. April 2026 um 19.00 Uhr im Pastoralzentrum in Bozen statt.

5. April 2026

Die Botschaft der Auferstehung

Zu Ostern feiern wir die Auferstehung des Gekreuzigten. Das Verständnis für diese zentrale christliche Botschaft schwindet in unserer Gesellschaft, bleibt aber die Grundlage unserer Hoffnung.

Als ob der nach wie vor entsetzliche Krieg in der Ukraine, die schrecklichen Geschehnisse in Gaza, die wirren Aktionen eines amerikanischen Präsidenten und viele andere Krisenphänomene unserer Zeit nicht schon genug Ängste und Sorgen ausgelöst hätten. Mit dem Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat sich die Spirale der Gewalt weiter und weiter gedreht. Die permanente Konfrontation mit diesen Geschehnissen über die verschiedenen Medienkanäle erzeugt ein Gefühl des Ausgeliefertseins, ein Gefühl der Ohnmacht. Wir sind verunsichert und fühlen uns wie gelähmt.
In verstörender Gleichzeitigkeit feiern wir in diesen Tagen das Osterfest. Für viele Zeitgenossen unserer säkular gewordenen Welt ein willkommenes Fest im Frühling, ohne religiösen Hintergrund, mit einer Reihe von arbeitsfreien Tagen, verbunden mit Reisen und Feiern im Kreis der Familie. Das hat auch alles seine Berechtigung. Als Christen ist uns aber von Ostern her ein anderer Blick geschenkt. Konfrontiert mit dem Mysterium iniquitatis, wie Paulus im Thessalonicherbrief dieses Geheimnis des Bösen genannt hat, konfrontiert mit den Wirrnissen und Leiden der unschuldigen Opfer, feiern Christen zu Ostern die leibliche Auferstehung des Herren. Eigentlich ein unerhörter Vorgang, der alle unsere Selbstverständlichkeiten und Gewissheiten durchbricht. Selbst die Jünger Jesu waren verwirrt und voller Zweifel.
Die Botschaft von der Auferstehung lässt ein besonderes Licht auch auf die Geschehnisse unserer Welt fallen. In diesem Licht wird uns zugesagt, dass es Hoffnung auch in einer Welt gibt, die durch Tod und vielfältiges Leiden gekennzeichnet ist. Es ist die Hoffnung, dass durch Gott die ungerecht Leidenden, die vergessenen Opfer und die Toten gerechtfertigt und zu neuem Leben erweckt werden. Die Täter triumphieren nicht auf immer über ihre Opfer. Der Glaube an die Auferstehung hat also durchaus auch eine politische Dimension. Ein in unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft schwindendes Verständnis von Auferstehung hat deshalb auch Folgen. Der kürzlich verstorbene Philosoph Jürgen Habermas, der sich selbst als religiös unmusikalisch bezeichnet hat, meinte, dass die verlorene Hoffnung auf Auferstehung eine spürbare Leere in der Gesellschaft hinterlasse.

Der Dichter und evangelische Pfarrer Kurt Marti hat diese Dimension in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht. „Anderes Osterlied“ ist es überschrieben. Ein Auszug daraus:

“Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe, wenn hier die Herrschaft der Herren, wenn hier die Knechtschaft der Knechte so weiterginge wie immer.
Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren.”

Lukas berichtet im Evangeliumsabschnitt, der am Ostermontag gelesen wird, von den beiden Jüngern und deren Begegnung mit dem Auferstandenen. Sie sind von den Geschehnissen noch wie gelähmt und erkennen den „Fremden“ zunächst nicht. Erst als er das Brot mit ihnen brach, erkannten sie ihn. „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk. 24,32). Brennt auch unser Herz und das Herz der Kirche noch genügend für die Botschaft der Auferstehung, um diese unserer Welt weiterhin vermitteln zu können?

28. Februar 2026

Nein ohne Wenn und Aber

Pressemitteilung

Seit Tagen, ja seit Wochen wird – provoziert durch den vorliegenden Gesetzentwurf zur Remigration und den von rechtsextremen Gruppierungen in Bozen geplanten Aufmarsch dazu – in Politik und Medien über Remigration gesprochen, diskutiert und „Für-und-Wider“ abgewogen. Damit haben die Promotoren einer solch unsäglichen Maßnahme schon erreicht, dass wir uns auf ein Gespräch darüber einlassen, dass die Vorstellung von eigentlich Unvorstellbarem in unser Denken und unser Herz einsickert, dass das Wort sich in unseren Wortschatz einnistet und sagbar wird. Wir tun gut daran, uns einem solchen Gespräch zu verweigern. Zu verbrecherischen Maßnahmen braucht es kein Gespräch über mögliche Bedingungen, über ein „Wenn und Aber“ oder ein „Vielleicht doch“, sondern nur ein entschiedenes Nein!

Als Christen sind wir uns bewusst, dass mit der Menschwerdung Gottes die Möglichkeit in die Welt gekommen ist, in jedem Menschen, unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit oder anderen Kategorisierungen, das „Antlitz Christi“ zu sehen. Eine Botschaft, die vielleicht auch überfordert, die aber immun macht gegenüber blinden Sündenbockmechanismen. Eine Botschaft, die frei macht zu einem bewussten „Nein“ gegenüber menschenverachtender Politik.

Der Vorstand des Katholischen Forums / Sonja Reinstadler, Roland Feichter, Christian Wenter, Angelika Mitterrutzner, Irene Vieider, Franz Tutzer.

17. Februar 2026

„Kehrt um…“ Ein Aufruf des Katholischen Forums zur Fastenzeit.

Pressemitteilung vom 17.Februar 2026

Mit dem Beginn der Fastenzeit laden uns kirchliche und nicht-kirchliche Organisationen direkt und über Medien ein, unseren individuellen Konsum zu reduzieren, Alkohol und Kalorien einzuschränken oder auf die übermäßige Nutzung digitaler Medien zu verzichten. Da ist nichts Falsches dran.
Ein nüchterner Blick auf unsere Zeit und ihre Gefährdungen mutet uns allerdings mit dem aus dem Markusevangelium überlieferten „Keht um“ sehr viel mehr zu und fordert uns auf, unser Verständnis des Fastens auch politisch zu verstehen. In diesem Sinn bedeutet Fasten, eine Haltung einzuüben, die unmissverständlich „nein“ sagt

  • zu allen Versuchen, das soziale Miteinander durch gezieltes Schüren von Vorurteilen, von Hass und Misstrauen gegenüber Fremden, sozial Schwachen und anderen Randgruppen zu vergiften;
  • zu einer politisch und medial immer noch positiv vermittelten Haltung des „Immer mehr, immer schneller und immer besser“;
  • zu Maßlosigkeit im Umgang mit belebter und unbelebter Natur und Mitwelt;
  • zu einem blinden Machbarkeitswahn und einer kritiklosen Akzeptanz von Technologien, die den Menschen überwältigen und zu einem bloßen Anhängsel technischer Systeme degradieren;
  • zu einer schamlosen Vergötzung von Reichtum, Erfolg und Macht.

Ein solches Fasten zeigt sich auch in bewusst gelebten Formen des individuellen und gesellschaftlichen Maßhaltens und Verzichtens. Ein solches Fasten übt das soziale „Zuhören“ ein und befreit zur Gastfreundschaft gegenüber dem Fremden, den Armen und ganz allgemein gegenüber den „Anderen“. Dies bleibt die Grundlage einer lebensfreundlichen Gesellschaft.

In den Beginn der heurigen Fastenzeit leuchten zwei Persönlichkeiten aus unserer jüngeren lokalen Geschichte herein. Es sind dies der Selige Joseph Mayr Nusser, dessen Todestages wir am 24. Februar gedenken, und Alexander Langer, der am 22. Februar 80 Jahre alt geworden wäre. Joseph Mayr Nusser hat zu einem menschenverachtenden Regime ein klares Nein gesagt, Alexander Langer hat sein politisches Handeln dem Maßhalten, dem ökologischen Umdenken und einer Haltung des „Genug“ gewidmet. Sie können uns in der heurigen Fastenzeit Orientierung bieten.

Der Vorstand des Katholischen Forums / Sonja Reinstadler, Roland Feichter, Werner Atz, Angelika Mitterrutzner, Irene Vieider, Franz Tutzer.